Jahresbericht ZIMT 2024
Zentrum für Interkulturalität, Miteinander und Teilhabe
Das ZIMT (Zentrum für Interkulturalität, Miteinander und Teilhabe) in Braunau konnte im Jahr 2024 einen beeindruckenden Besucherrekord von 15.267 BesucherInnen verzeichnen, was einen deutlichen Anstieg von 18,5 Prozent gegenüber den 12.883 Besucher*innen im Jahr 2023 darstellt. Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung und Beliebtheit dieser großartigen Einrichtung der Stadtgemeinde Braunau.
Statistik: Besucher*innen ZIMT
2017: 280
2018: 2.218
2019: 2.448
2020: 962 Corona – Jahr mit Lockdowns
2021: 1.626 Corona – Jahr mit Lockdowns
2022: 8.439
2023: 12.883
2024: 15.267
Vielfältiges Angebot
Das ZIMT bot 2024 ein breites Spektrum an Veranstaltungen und regulären Aktivitäten für alle Altersgruppen:
Kreative Workshops:
Gabriele zu Castell hat einen sechsteiligen Töpfer-Workshop für Erwachsene im Frühjahr und im Herbst, bei dem Teilnehmende die Grundlagen des Töpferns erlernten, durchgeführt. Der Töpfer-Workshop erfreut sich so großer Beliebtheit, dass es Wartelisten gibt, und der Wunsch nach weiteren Betätigungsmöglichkeiten ungebrochen ist.
Kunstprojekte:
Die „Home in Art“ Kunstwerkstatt für Jugendliche von 12 bis 25 Jahren bot jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Kreativität zu entfalten. Im Jahr 2024 kamen auch erwachsene Künstler zur Kunstwerkstatt dazu, da diese einen Raum suchten, sich künstlerisch zu betätigen. Wir sind dafür offen und haben die Kunstwerkstatt gelegentlich für die Gestaltung auch für Erwachsene geöffnet.
Interkulturelle Kunstwerkstatt für Kinder (Sonnenatelier): Hier können Kinder zwischen 5 und 12 Jahren unter kunsttherapeutischer Begleitung ihre Gefühle ausdrücken und Freude an Form, Farbe und interkultureller Begegnung erleben.
1 Gruppe unter der Leitung von Gabriele zu Castell: Gabriele zu Castell hat auch im Jahr 2024 wieder jahresdurchgängig eine Kinderkunstwerkstatt mit viel Freude geleitet.
1 Gruppe unter der Leitung von Nina Pommer und Andrea Friedl-Ortner. Beide haben im Jahr 2024 die Kunstwerkstatt für Kinder und Jugendlich organisiert. Andrea ist als Vertretung für Nina im Herbst gekommen, weil Nina eine weitere Ausbildung begonnen hat. Die Nachfrage nach diesen Kunstwerkstätten ist weiter gestiegen. Wir führen Wartelisten für diese Gruppen.
Sprachförderung:
Das Sprachencafé ermöglicht es Besuchern, in einer entspannten Atmosphäre neue Sprachen (Englisch derzeit) kennenzulernen und zu üben. Die Gruppe ist sehr aktiv und möchte das Angebot auch weiterhin fortsetzen. Auch neue Freundschaften sind dadurch länderübergreifend wieder geschlossen worden.
Prüfungsvorbereitung Nagy Gerti: Fr. Nagy macht zwei Mal im Jahr 10er Blöcke, an denen sie einmal wöchentlich ein Sprachtraining anbietet, welches darauf abzielt, die Teilnehmer*innen auf eine Sprachprüfung A2 oder B1 Niveau vorzubereiten. Die Erfolge unter den Teilnehmer*innen können sich sehen lassen.
Mama lernt Deutsch mit Margit: Stangl Margit hat aufgrund der großen Nachfrage 2024 zwei Mama lernt Deutsch Gruppen A1 und A2 Niveau übernommen. Sie versteht es, den Frauen die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, um sich im Alltag in Österreich zurecht zu finden und in deutscher Sprache zu kommunizieren.
Arabischkurs mit Alaa: Alaa Alhafez organisiert den beliebten Arabischkurs, zu dem Kinder im Alter von 5- 20 Jahren jeden Sonntag kommen, um die Muttersprache auch in schriftlicher Form zu erlernen. Es gibt drei unterschiedliche Niveaugruppen, die gut besucht werden.
Konversation und Kommunikation (Koko) mit Alla: Alla Pappernigg machte für die Volkshilfe OÖ diesen Kommunikations- und Konversationskurs im ZIMT für Anfänger der deutschen Sprache. Viele haben in dieser Anfangsphase nach der Ankunft in Österreich noch keine Möglichkeit einen regulären Deutschkurs zu besuchen, oder nutzen die Möglichkeit, um die ersten wichtigen Floskeln zu erlernen, oder das in den Kursen Erlernte praktisch anzuwenden und zu trainieren.
Konversation und Kommunikation mit Zehra: Zehra Aktas leitete unseren zweiten Koko Kurs (Kommunikation und Konversation) von der Volkshilfe OÖ im ZIMT. Sie betreut die Teilnehmer*innen, die schon auf einem höheren Sprachniveau ca. A2/B1 sind, und vermittelt hier nicht nur Deutschkenntnisse, sondern auch ganz viel Werte- und Brauchtumswissen aus Österreich bzw. welche Fettnäpfchen man vermeiden kann, wenn man die gesellschaftlichen Hintergründe kennt. Die gesellschaftlichen Regeln, die nirgendwo aufgeschrieben und vermittelt werden, kann Zehra sehr gut vermitteln. Sie hat immer eine sehr stabile und konstante Gruppe von 8-12 Teilnehmer*innen.
Familienangebote/ Kinderangebote:
Die Spielgruppe „Griffbereit“ für Eltern und deren Kinder im Alter von 1-4 Jahren förderte die frühkindliche Entwicklung und wird vom Träger IIP (Institut interkulturelle Pädagogik) der Volkhochschule OÖ durchgeführt.
Rucksackprojekt: Ein regelmäßiges Angebot für Eltern und Großeltern zur Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindergartenkindern.
Spielestube: Ein wöchentliches Angebot Freitag von 8-12 Uhr, an dem maximal 10 Kinder von 2 Tagesmüttern aus dem Verein Tagesmütter Innviertel betreut werden können. Dieses Angebot ist für Eltern die neu zugezogen sind von unschätzbarem Wert, wenn keine nahen Angehörigen oder eine Kinderbetreuungsmöglichkeit in der Stadt vorhanden sind. Die Kinder lernen soziale Kompetenzen und die deutsche Sprache spielerisch, können sich auf eine Fremdbetreuung im Kindergarten vorbereiten und die Eltern sind einen Vormittag lang entlastet, können Behördenweg, Besorgungen erledigen oder einfach mal eine Auszeit nehmen. Diese interkulturelle Gruppe ist immer ausgebucht und wir führen eine Warteliste.
Kinderclub ZIMT – Bewegung & Spaß:
Shaimaa Sakr (KG-Helferin KG Haselbach) macht jahresdurchgängig einmal wöchentlich 2 interkulturelle Gruppen mit Kindern im Alter von 5-13 Jahren und hat immer wieder neue Ideen, wie sie den Kindern mit unterschiedlichen Bewegungsangeboten Freude machen kann: Sei es ein einstudierter Tanz zu einem beliebten Lied oder Spring- und Hüpfspiele, Kinderyoga oder Hula-Hoop. Die Gruppen sind immer ausgebucht und es wird eine Warteliste geführt; leider gibt es im gesamten Stadtgebiet zu wenig Bewegungsmöglichkeiten für Kinder.
Lese- und Lernförderung mit Gerlinde & Co: Jeden Montag von 15-18 Uhr gibt es eine Lese- und Lernförderung für Kinder der Vorschule und der 1. und 2. Klasse Volksschule. Von 15-16 Uhr gibt es einen Deutschkurs der speziell auf Kinder ausgerichtet ist. Danach folgt eine Stunde Leseförderung und dann bleibt noch Zeit für gemeinsames Spielen.
Empowerment:
Der Workshop „Frauen stärken“ mit Hakima Hopfgartner (Mo 8.30-11.30 Uhr) von Beziehung.Leben ist für viele Frauen die einzige Möglichkeit ihre familiären Beziehungen zu reflektieren, sei es die Paarbeziehung oder Eltern-Kind-Beziehung oder auch die Selbstfürsorge, die bei vielen Frauen häufig untergeht. Hakima versteht es wie keine andere, die Brücken zwischen den Kulturen zu bauen, da sie selbst aus einer arabisch-muslimischen Kultur kommt, schon seit Jahrzehnten in Europa lebt und auch die europäische Lebenswelt zu schätzen weiß. Sie schafft einen Rahmen, um die Denkmuster der Frauen etwas zu öffnen, ihnen die österreichische Lebensweise näher zu bringen und ihnen neue Möglichkeiten zu eröffnen.
Männertreff: dieser interkulturelle Treffpunkt, der wöchentlich am Sonntag von 16-21 Uhr stattfindet, ist für alle Männer in Braunau gedacht, die sich ohne Konsumzwang zum Karten-, Schach-, Backgammonspielen und zum Austausch treffen wollen.
Frauentreff: der internationale Frauentreff jeden Mittwoch von 9-11 Uhr ist Erstanlaufstelle für Neuzugezogene. In diesem Angebot bekommen die Frauen einen Überblick, was es im ZIMT und in Braunau alles gibt, wo sie teilnehmen können, und welche Informationen für sie am Anfang wichtig sind. Die Frauen, die schon länger da sind, kümmern sich immer bestens um die Neuen. Sie geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter und vermitteln zu den nötigen Stellen. Weiters gibt es Präsentationen zu den einzelnen Herkunftsländern, die die Frauen selbstständig organisieren und gestalten. Dies verhilft zu einem höheren Selbstwertgefühl und zu mehr Selbstständigkeit und fördert nebenbei die Ausdrucksweise in deutscher Sprache.
24h BetreuerInnen Café: Das ist eine Austauschmöglichkeit für Personen, die in der 24 h–Pflege in Braunau und im Bezirk tätig sind und sonst keinerlei Möglichkeiten haben, sich mit anderen Kolleg*innen auszutauschen. Da sie meist auch nur zu den Agenturen, bei denen sie angestellt sind, Kontakt und Infomöglichkeiten haben, ist es wesentlich, für die „objektive“ Informationsweitergabe auch eine Austauschmöglichkeit auf neutralem Boden zu organisieren. Auch die Psychohygiene der Personengruppe wird hierbei gefördert.
Repair Café: Bereits das 3. Jahr gibt es nun auch das beliebte Repair Café im ZIMT. Es kommen einmal im Monat interessierte Menschen aus dem gesamten Bezirk um Elektrogeräte unter Anleitung von Profis und Hobbybastlern selbst reparieren zu lernen. Wir haben einen Expert*innenpool, der freiwillig und ehrenamtlich für die anstehenden Geräte als Hilfestellung und Anleiter*innen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Seit Herbst 23 werden auch liebgewonnene Kinderspielsachen repariert, worüber sich unsere kleinsten Gäste sehr freuen. Durchschnittlich kommen meist zwischen 20-40 Personen mit unterschiedlichsten Geräten, Drucker, Laptop, Kaffeemaschinen, Nähmaschinen, auch ein Laufband hat schon den Weg ins ZIMT gefunden.
Schwimmkurs für Frauen: mit Doreen Rülling (Aquaschule) als Schwimmlehrerin hat es 2024 zwei Schwimmkursgruppen mit je 8-10 Frauen gegeben, die das Schwimmen lernen wollten. Da es enorm wichtig ist, dass auch die Mütter schwimmen lernen, damit sie ihren Kindern im Schwimmbad helfen können, sollte mal ein Notfall eintreten. Die Schwimmkurse sind sehr beliebt. Die Frauen haben sehr viel Spaß und freuen sich sehr, dass sie mit einer Lehrerin im Hallenbad schwimmen lernen können. Dies nimmt ihnen auch die Hemmschwelle und die Frauen verabreden sich auch außerhalb der Kurszeiten im Hallenbad und nutzen die Möglichkeit zu schwimmen.
Kulinarische Erlebnisse: Internationale Kochabende wie „Kochen und Backen um die Welt“ brachten Menschen verschiedener Kulturen zusammen.
Bei den Kochworkshops wurde u.a. irakisch, syrisch, afghanisch aufgetischt: Das ZIMT organisiert bereits das zweite Jahr in Folge die internationalen Kochabende. Meist sind 12-15 Teilnehmer*innen eingeladen, gemeinsam ein Menü mit einem*r Koch bzw. Köchin zu lernen und sich dann beim gemütlichen gemeinsamen Essen in netter Atmosphäre auszutauschen. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch.
Angebote für Best Ager:
Selba Training: Selbstständig und aktiv im Alter mit Lizeth Außerhuber-Camposeco: es werden gemeinsam körperliche, geistige und seelische Übungen gemacht, um sich selbst aktiv und fit zu halten.
Das Erzählcafe: Uttenthaler Anneliese hat das im ZIMT angeboten. Sie ist Märchenerzählerin und bereitete stets ein inhaltliches Thema für das Erzählcafé für Frauen ab 60 vor. Dieses Angebot ist besonders bei lange hier Lebenden beliebt. Die Frauen freuen sich immer sehr auf diesen besonderen Tag, genießen das gesellige Zusammensitzen und den Austausch.
PC & Handyhilfe: Arndt Strüder macht Einzeltermine mit Personen, die sich nicht so gut mit dem Handy oder PC auskennen. Wenn sie eine bestimmte Einstellung benötigen oder etwas lernen möchten, wie etwas geht, dann nimmt er sich Zeit und steht mit seinem Wissen Rede und Antwort.
Sozialberatungen: Es gibt jahresdurchgängig die Möglichkeit eine niederschwellige Sozialberatung im ZIMT in Anspruch zu nehmen. Wir bieten u.a. Hilfestellung bei der Arbeitssuche (Lebenslauf, Bewerbung, Jobsuche, Jobvermittlung), Anträgen (Pensionsantrag, Sozialhilfeantrag, Pflegegeldantrag, Kinderbetreuungsgeldantrag, Einkommenssteuererklärung, Familienbeihilfenantrag, Förderantrage) oder auch notwendige Sozialberatung in schwierigen Lebenslagen. Speziell für Anfragen bezüglich Asyl- und Fremdenrecht werden wir auch immer wieder angefragt. Auch für Möglichkeiten einer Ausbildung in Österreich und Nostrifizierung bereits im Herkunftsland erworbener Qualifikationen stehen wir vermittelnd zur Seite.
Spezielle Angebote im Jahr 2024
Im Jahr 2024 haben wir den Schwerpunkt auf Zugehörigkeit gelegt. Denn vielen Jugendlichen und auch Erwachsenen, die bereits die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, wird entgegen allen Integrationsbemühungen immer wieder das Gefühl vermittelt, dass sie nicht dazu gehören. Dies erschwert das Zusammenleben und vergeudet Potenziale und Perspektiven. Dem wollen wir entgegentreten und das Bewusstsein der österreichischen Gesellschaft schärfen, dass auch die Aufnahmegesellschaft ihren Beitrag für eine gelingende Integration leisten muss und Integration keine Bringschuld ist. Das ZIMT-Team plant, verschiedene Aktivitäten und Programme zu diesem Thema anzubieten, um das Bewusstsein gegenüber Rassismus und Ausgrenzen zu schärfen und dagegen vorzugehen.
Veranstaltungen
wie die Lesung von Dr. Mireille Ngosso mit „Für alle die hier sind“ inspirierten und förderten den interkulturellen Dialog. Fr. Dr. Ngosso ist eine sehr charismatische und positive Persönlichkeit, die dem Publikum ihr nicht unbedingt einfaches Aufwachsen als kongolesisches Flüchtlingskind in Österreich nahegebracht hat. Sie berichtete mit welchem Widerstand und Kraftaufwand sie sich durch die österreichische Gesellschaft kämpfen musste, bis sie da angekommen ist, wo sie jetzt steht. Als Gemeinderätin für die SPÖ Wien und Allgemeinmedizinerin, die sich für Gendermedizin stark macht, ist sie ein strahlendes Vorbild und Role Model für alle, die hier sind.
Dr. Vedran Dzihic war mit seinem Buch “Ankommen” im ZIMT und hat das Thema Zugehörigkeit und den Prozess der Integration in einer Gesellschaft treffend beschrieben und zum Nachdenken angeregt. Hr. Dr. Dzihic (Politikwissenschafter und Experte für Europäische Politik) ist ebenfalls als Flüchtlingskind in Österreich angekommen und hat einen nicht immer einfachen Weg hinter sich. Auch er ist ein gutes Role Model für alle, die neu zugezogen sind.
Primar Dr. Täuber hatte dem ZIMT-Publikum die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ nähergebracht. Er erzählte von seinen Erfahrungen von unterschiedlichen Auslandseinsätzen, Jemen, Indien uva. und den Bedingungen der Einsätze. Ebenso klärte er darüber auf, wie man sich bei der wichtigen Arbeit von Ärzte ohne Grenzen beteiligen kann.
Das Fest der Begegnung fand am 21.06.2024 statt und war mit einer großen Besucherzahl ein voller Erfolg. Die neu initiierte internationale Modenschau des ZIMT wurde von den Zuschauern begeistert angenommen. Ebenso das internationale Buffet, welches von den ZIMT-BesucherInnen gekocht und verkauft wurde, die internationalen Tänze und Trachten vom albanisch-kosovarischen Kulturverein, und die tollen Bands, wie Kitole Kenda, Cisco und Baba Rai sorgten für gute Stimmung. Das Fest war geprägt von einem fröhlichen Miteinander.
Das Forum Zusammenleben fand im Herbst 2024 statt. Ali Dönmez, Logopäde und Erwachsenencoach kam von Wiener Neustadt zu uns und erklärte uns aus sprachwissenschaftlicher Sicht die Thematik und den Wert der Muttersprache. Viele VertreterInnen aus Schulen und auch Eltern und Jugendliche waren beim Forum dabei und diskutierten über die unterschiedlichen Sprachen und die Resonanz darauf, die in der Schule und im öffentlichen Raum zu Tage tritt, wenn „Fremdsprachen“ gesprochen werden. Die Wertschätzung aller Sprachen ist ein zentrales Anliegen, vor allem da Sprache mit der gesamten Persönlichkeit eines Menschen verbunden ist. Wenn eine Sprache abgelehnt wird, wird auch der Mensch dazu abgelehnt und behindert somit die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft und die Integration.
Pass-Egal Wahl: Vom 26. August bis 18. September 2024 wurde im ZIMT eine symbolische Wahl für Personen ab 16 Jahren durchgeführt, die aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft nicht bei der Nationalratswahl wählen durften. Die Ergebnisse wurden von SOS-Mitmensch veröffentlicht. Die Wahlbeteiligung hat sich gegenüber der letzten Pass-egal Wahl verdoppelt.
forum.engagiert 2024: Am 30. Oktober 2024 fand eine Veranstaltung zur Weiterbildung und Vernetzung für Vereine und Freiwilligenorganisationen statt. Das Thema war „Neue Wege in der Freiwilligengewinnung“. Organisiert wurde diese von füruns- Zentrum für Zivilgesellschaft.
Pilotprojekte:
Das Projekt „Migrants Care“ wurde in Zusammenarbeit mit der Volkshilfe Oberösterreich im ZIMT durchgeführt. Gestartet hat das Projekt Anfang September 2024 und fand das erste Mal in Braunau statt. Ausschlaggebend war der große Bedarf an Pflegekräften in Österreich und die Tatsache, dass viele Migrant*innen gerne in der Pflege arbeiten würden, ihnen jedoch das sprachliche und fachliche Know-How bisher fehlte, um die Ausbildung in der Pflege beginnen zu können. Der Migrants Care Lehrgang zielte genau auf diese beiden Kriterien ab, den Teilnehmer*innen das nötige Vokabular und Know-How in der österreichischen Pflegelandschaft zu vermitteln, um anschließend in die Heimhilfeausbildung einzusteigen. Kooperationspartner waren SHV Braunau, Altenfachbetreuungsschule Oberösterreich, Taukolleg, das AMS und die Volkshilfe. Insgesamt haben 16 Teilnehmer*innen die Chance bekommen, an diesem Lehrgang teilzunehmen. Leider wurden aufgrund der später eingeführten Selektionskriterien nur 2 Frauen aus dem ZIMT aufgenommen, obwohl vereinbart war, dass das ZIMT 8 Teilnehmer*innen für diesen Kurs stellen darf und 8 Teilnehmer*innen werden vom AMS gestellt. Leider war die Informationsweitergabe und Durchführung seitens der Volkshilfe FMB OÖ nicht professionell.
Die ursprüngliche Verabredung, dass wir genau diese Personen in eine Ausbildung bringen, die sonst auch keinerlei Chancen haben eine Ausbildung zu starten, weil sie z.B. das Zeugnis der 9. Schulstufe aus dem Herkunftsland nicht bringen können, da der Krieg alle Dokumente zerstört hat (z.B. Afghanistan und Syrien), wurde leider seitens der Volkshilfe im Laufe der Organisation des Pilotprojektes ignoriert, da der Andrang zu diesem Lehrgang so groß war, dass kurz vor Start ca. 45 Personen daran interessiert waren.
Deshalb wurde mit dem AMS vereinbart, in Zukunft andere Träger für einen Vorbereitungskurs Pflege zu bevorzugen.
Deutschkurs für Eltern mit Kinderbetreuung:
Viele Eltern, vorwiegend Mütter, haben in der Stadt Braunau jahrelang Schwierigkeiten gehabt ein A2 Zertifikat bei der BH Braunau nachzuweisen. Gesetzlich sieht die Integrationsvereinbarung des Bundes vor, dass alle Zugewanderten innerhalb von 2 Jahren Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2 nachweisen müssen. Leider ist die Situation von vielen Frauen so, wenn sie kleine Kinder haben und gerade zugezogen sind, dass sie meist kein familiäres Netzwerk vor Ort haben, oder eine städtische oder private Kinderbetreuung für ihre Kinder zur Verfügung ist. Auch die Abendkurse in den Kursinstituten konnten ihnen keine Abhilfe schaffen, da viele ihrer Männer im 4 Schicht Betrieb in den Industrien tätig sind. Deshalb war es vielen Müttern einfach nicht möglich Deutschkurse zu besuchen und eine A2 Prüfung positiv abzuschließen. Die BH strafte diese Frauen regelmäßig mit einer Geldbuße von über EUR 100.
Aufgrund dessen hat das ZIMT zuerst mit Unterstützung der Integrationsstelle des Landes Oberösterreich Hrn. Dr. Hattmannsdorfer einen Durchgang A2 Teil 1 Kurs mit Kinderbetreuung durchgeführt. Aber das war leider nur eine einmalige Ausnahme und über eine außerordentliche Spende des Landes möglich.
Da wir den Frauen jedoch die Vorbereitung auf die A2 Prüfung ermöglichen wollten – der 2. Teil A2 fehlte ja noch – haben wir in aller Eile eine andere Fördermöglichkeit durch den Verein LEADER Oberinnviertel Mattigtal und dessen Geschäftsführer Florian Reitsammer gefunden. Wir haben sehr rasch eine Projektbeschreibung gemacht und dem Gremium vorgestellt. Dankenswerterweise wurde aufgrund der Wichtigkeit des Projektes gleich eine 3 Jahresförderung bewilligt. Deshalb können wir bis 2027 Deutschkurse mit Kinderbetreuung im ZIMT in Kooperation mit der VHS OÖ, die für die Deutschkurse verantwortlich ist, und dem Verein Tagesmütter Innviertel, die auf maximal 10 Kinder während der Kurszeit aufpassen, anbieten bzw. durchführen.
Fazit
Das ZIMT hat sich 2024 erneut als unverzichtbare Institution für das interkulturelle Zusammenleben in Braunau erwiesen. Die steigende Besucherzahl zeigt, dass das Zentrum ein Ort der Begegnung, des Lernens und des gegenseitigen Verständnisses geworden ist. Mit seinem vielfältigen Angebot trägt das ZIMT maßgeblich zur Integration und zum sozialen Zusammenhalt in der Gemeinde bei.
